Reinhard Hüttermann, Vorstandssprecher zur Einführung des Sprinti in Wunstorf
Zeitgleich mit dem Fahrplanwechsel der DB wurde am 10.12.2023 der Bedarfsverkehr Sprinti regionsweit, also auch in Wunstorf, in Betrieb genommen.
Der Sprinti ist ein flexibel bestellbares Bussystem weil es weder an eine feste Linienführung (also an feste Haltestellen) noch an feste Abfahrts- und Ankunftszeiten gebunden ist.
Er kann zu beliebigen Zeiten innerhalb der Bedienzeitfenster an “beliebige” Orte (virtuelle Haltstellen) innerhalb des Gebietes der Stadt Wunstorf gerufen werden, das Ziel ist nicht an eine Haltestelle gebunden.
Wartezeiten auf den Sprinti und Wege zu den virtuellen Haltestellen werden durch intelligente
Algorithmen minimiert. Das Ziel ist, die Zugänglichkeit zum ÖPNV und damit auch die Attraktivität dessen zu erhöhen.
Der Sprinti hat das Potential wesentlich zur Mobilitätswende beizutragen.
Durch sein hohes Maß an Flexibilität, und damit an Komfort, sei die Hoffnung erlaubt, dass viele Wunstorfer:Innen den Sprinti nutzen werden und das eigene Auto für Kurzstrecken innerhalb der Kernstadt stehen lassen.
Aber vor allem sind die Wunstorfer Ortsteile mit dem Wunstorfer Sprinti erheblich komfortabler an die
Kernstadt angeschlossen als bisher. Das birgt Einsparpotential an PKWFahrten und damit an CO2 und natürlich auch an Parkplätzen.
Damit kann der Sprinti dazu beitragen, dass immer wieder von der Werbegemeinschaft behauptete Parkplatzproblem zu lösen. In diesem Sinne sollte auch die Werbegemeinschaft dieses System intensiv bewerben.
Diese bedarfsorientierte Mobilitätslösung ergänzt komfortabel das ÖPNVSystem, welches nur ein Teil eines Gesamtmobilitätskonzeptes sein kann. Es sollte als Bestandteil dessen eine gute Radwegeinfrastruktur und Carsharing-Fahrzeuge ergänzen.
An beiden hapert es in Wunstorf.
Es wird Jahre dauern bis die geplante sogennante Leuchtturmroute für den Radverkehr umgesetzt ist.
Ein dafür eingestellter Haushaltsposten wurde wegen der KTF-Unsicherheiten gerade erst wieder storniert.
Und zum Thema Carsharing hat es vor einem Jahr ein Angebot der stadtmobil GmbH in Hannover gegeben in Wunstorf kostenfrei ein Fahrzeug zu plazieren.
Die Stadt hat das Angebot ausgesessen. Inzwischen wurde das Angebot zurückgezogen.
Da der Sprinti regionsweit verfügbar ist, besteht auch die Möglichkeit das System mit Umstiegen zu nutzen. Wenn also jemand aus der Wunstorfer Barne nach Mardorf möchte, wäre es wünschenwert wenn die Gesamtstrecke über die Sprinti App gebucht werden könnte.
Er wird dann just-in-time zu dem Zug in Wunstorf gebracht und am Bahnhof in Neustadt von dem Neustädter Sprinti just-in-time abgeholt und nach Mardorf gefahren.
Wäre Super – Oder?
Bedauerlich ist allerdings, dass erste Tests gezeigt haben, dass die App das nicht hergibt, also zwei Einzelbuchungen durchgeführt werden müssen.
Super ist aber der Preis.
Mit einem normalen GVH-Ticket ist der Sprinti ohne Zusatzkosten benutzbar.
So ist eine Senior:in mit einer Seniorennetzkarte für monatlich 26,40 € (im Abo) im gesamten Großraum inkl. Sprinti unterwegs.
Gleiches gilt für alle D-Ticket Inhaber:Innen.
Über Wunstorfs Stadtgrenze hinausgehende Verbindungen, wie z. B. von Wunstorf nach Hagenburg, fährt der Sprinti per Voreinstellung nicht.
Das mag zunächst wenig einsehbar sein. Aber es müssen Grenzen gezogen werden. Und das ist so eine. Sie ist aber nicht unumstößlich. Es gibt den Hinweis, dass wenn vielfach angemeldeter Bedarf
bestimmter Strecken angemeldet wird, diese dann möglicherweise auch in das Bediengebiet aufgenommen werden.
Der wesentliche Zugang zum Sprinti erfolgt über die Buchungs-App. Dafür eine speziell entwickelte App bereitzustellen ist sicherlich ein Nachteil. Die Sprinti-Verkehre der Region müssten von gängigen Apps wie der GVH-App oder dem DB-Railnavigator beauskunftet werden. Da das derzeit nicht der Fall ist, wird eine die GVH-App nutzende Hannoveraner*in, die zum Steinhuder Meer möchte, eine Verbindung mit dem Sprinti nicht angezeigt. Damit geht eine wesentliche Möglichkeit zumindest teilweise verloren,
die Autoströme von Hannover nach Steinhude mit Hilfe des Sprinti-Systems zu reduzieren.
Lösungen dafür gibt es, die für eine Verbindungsanfrage von A nach B alle im System existierenden Verkehre berücksichtigen. Außer dem Sprinti können das auch Sharing-Systeme (Car-, Bike-, Scooter- etc.) sein.
Eine App ist für viele Menschen noch immer eine Barriere. Deshalb kann eine Fahrt
auch per Telefon bestellt werden.
Das Fahrzeug ist barrierefrei und sehr komfortabel. Es verfügt über einen Kindersitz, hat Platz für ein oder zwei Fahrräder und/oder einen Kinderwagen.
Insbesondere für Rollstuhlfahrer verfügt das Fahrzeug auch über eine Hubsytem am Heck.
Darüber, dass er nicht elektrisch betrieben wird, schauen bis auf weiteres weg.
Insgesamt freuen wir Wunstorfer Grüne uns auf dieses komfortable ÖPNV Ergänzungsangebot und hoffen darauf, dass möglichst viele Wunstorfer Bürger:innen das System nutzen und dafür das Auto stehen lassen.
Wir hoffen nicht, dass die nachunserer Einschätzung wenig performante und wenig intuitive App, das Herzstück für den Zugang zum Sprinti, zur Barriere wird.
Eine Integration in die GVH-App wäre erstrebenswert.
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