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Auf einen Kaffee mit… Birgit Mares

Mit Herzblut Sozialpolitikerin 19.03.2022 | Wunstorfer Stadtanzeiger

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Birgit Mares ist Wunstorfs stellvertretende Bürgermeisterin und mit Herzblut Sozialpolitikerin.
Bei einer Tasse Kaffee erklärt sie, dass das hohe Alter noch lange kein Grund ist, sich aus dem Stadtrat zurückzuziehen und warum die nächste Kindertagesstätte wieder in städtische Trägerschaft gehört.

Von André Tautenhahn (tau): Frau Mares, sie haben im vergangenen Jahr den neugewählten Stadtrat als ältestes Mitglied eröffnet. Hat Sie diese Rolle überrascht?
Mares: Nein. Das es so kommen würde, zeichnete sich im Vorfeld ja ab. Viele altgediente Kollegen wie Horst Koitka, Jann Weerts und Kurt Rehkopf traten nicht mehr bei der Kommunalwahl an. Das ich nun die Älteste bin, stört mich nicht im Geringsten. Eines meiner Anliegen, wie auch das meiner Partei von Bündnis 90 / Die Grünen ist, mehr Frauen in die Politik zu bekommen. Gut, die sollten vielleicht nicht wie ich 77 Jahre alt sein, aber das hohe Alter ist nun auch kein Grund, sich aus der Politik zu verabschieden. Und was ältere Männer können, können ältere Frauen schon lang.

(tau): Ein Schwerpunkt von Ihnen ist die Frauenförderung?
Mares: Ja, vor der Wahl habe ich an einem Mentoring-Programm des Sozialministeriums teilgenommen. Und wir Grünen in Wunstorf sind da auch sehr vorbildlich: Wir stellen sieben Ratsmitglieder, davon sind vier Frauen. Bei der SPD sind es nur fünf Kolleginnen bei 15 Mandaten und im Stadtrat insgesamt 15 Frauen und 25 Männer.

(tau): Sie selbst sind aber mit bislang zwei Ratsperioden noch nicht so lange in der Kommunalpolitik aktiv. Wie kommt das?
Mares: Das stimmt, einen Ehrenring werde ich nicht mehr bekommen, da ich erst seit 2011 im Stadtrat bin. Das hat aber mit meiner Arbeit in der Verwaltung der Stadt Hannover zu tun, die mich ausgefüllt hat, und mit meiner gewerkschaftlichen Tätigkeit. Ich war also auch schon vor meiner Wahl in den Stadtrat politisch aktiv und habe mich insbesondere für die Belange von Beschäftigten in sozialen Berufen wie Erzieherinnen und Erzieher eingesetzt. Die Sozialpolitik ist mir ein Herzensanliegen. Nach der Pensionierung fehlte dann etwas. Vor zehn Jahren hatte ich auch noch keine Enkel. Deshalb habe ich mich damals für die Kommunalpolitik entschieden.

(tau): Und jetzt sitzen wieder im richtigen Ausschuss?
Mares: Ganz genau. Der Sozialausschuss ist mein Lieblingsausschuss, weil hier die Themen zur Sprache kommen, die nicht nur für mich wichtig sind, sondern für ganz Wunstorf. Es ist ja leider so, dass der Sozialausschuss in der Rangfolge immer etwas abfällt. Bauausschuss und der Finanz- und Wirtschaftsausschuss, wo die großen Summen bewegt werden, genießen da mehr Aufmerksamkeit. Wenn man aber genau hinsieht, werden im Sozialausschuss die Themen behandelt, die die Menschen aller Altersklassen direkt betreffen und im Alltag bewegen. Zum Beispiel der Bereich Kitaausbau. Da setzen wir Grüne uns nicht nur für mehr Betreuungsplätze ein, sondern auch für eine echte Vielfalt bei den Trägern.

(tau): Das müssen Sie erklären, Wunstorf hat doch eine Trägervielfalt und führt diese als besonderes Alleinstellungsmerkmal immer wieder an?
Mares: Das wirkt auf dem Papier so, es ist aber zum Beispiel nicht klar, nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt. Die Stadt sagt, dass Einrichtungen inzwischen durch Investoren gebaut würden, die dann einen Träger selbst vorschlagen, mit dem sie zusammenarbeiten und den Mietvertrag abschließen wollen. Die Stadt würde nur dann ein Veto einlegen, wenn die Vielfalt gefährdet wäre. Das klingt für mich ein wenig nach “ist uns egal”. Dabei sollte beim Thema Erziehung die weltanschauliche Neutralität im Mittelpunkt stehen. Das heißt nicht, dass die Träger, die wir haben, keine guten Konzepte haben, aber Fakt ist auch, dass bei 28 Einrichtungen nur zwei in städtischer Trägerschaft sind. Bundesweit liegt das Verhältnis zwischen kommunalen und freien Trägern bei rund ein Drittel zu zwei Drittel. In Hannover sind sogar 50 Prozent der Kitas in städtischer Verantwortung. Das heißt, Wunstorf könnte da durchaus mehr tun.

(tau): Aber die Vielfalt an Trägern bietet ja auch ein breites Spektrum an pädagogischen Ansätzen, zwischen denen man wählen kann. Was ist daran zu kritisieren?
Mares: Das ist ja in Wirklichkeit nicht so. Die Auswahl wird durch die Knappheit an freien Plätzen begrenzt. In einem Dorf wie Großenheidorn mit nur einer Einrichtung besteht dann auch keine echte Wahl, es sei denn, Eltern sind bereit, viel längere Wege in Kauf zu nehmen. Die kommunale Trägerschaft hätte zudem den Vorteil, dass auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeitnehmerrechte unabhängiger wahrnehmen und vertreten können. Da spricht die Gewerkschafterin, das gebe ich zu, aber die Pandemie lehrt uns ganz klar, dass die Arbeitsbedingungen in den Kitas dringend verbessert werden müssen. Bei nur zwei städtischen Kitas ist die Verhandlungsmacht gering, genau wie die Vertretungsmöglichkeiten bei Ausfällen enorm eingeschränkt sind.

(tau): Welche Forderung haben Sie denn konkret?
Mares: Ich wünsche mir, dass das umgesetzt wird, was wir in der letzten Ratsperiode gemeinsam vereinbart haben. Und zwar, dass eine der nächsten Kindertagesstätten, die gebaut werden, wieder in städtische Trägerschaft kommt. Ich weiß, dass es dafür auch Unterstützung aus den Reihen der SPD gibt.

(tau): Bei den bisherigen Neubauprojekten ist die Entscheidung über die Träger aber schon gefallen. Die geplante Kita im neuen Wohngebiet an der Langhorst Mühle zum Beispiel will die katholische Kirche betreiben. Ist da der Zug also nicht schon längst abgefahren?
Mares: Ja, in gewisser Weise sind wir da tatsächlich zu spät dran, allerdings entstehen auch weiterhin neue Baugebiete, wie in Steinhude und künftig auf dem ehemaligen Vion-Gelände in der Oststadt, wo der Bau neuer Kitas mitgedacht wird. Hier wollen wir darauf achten, dass die Stadt in Sachen Trägerschaft ihr Veto einlegt und diese Aufgabe selbst übernimmt.

Text/Foto: tau

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